Endometriose und ich – die OP und mein eigener Weg

von Jul 28, 2020Unkategorisiert0 Kommentare

Wie bei den meisten betroffenen Frauen dauerte es einige Zeit, bis ich die Diagnose Endometriose erhielt. In der Zeit zwischen Diagnose und OP nahm ich so viel Schmerzmittel, wie sonst noch nie in meinem Leben, um weiter zur Arbeit gehen zu können. Zudem brachte ich sowohl eine Wärmflasche als auch Eis -packs mit in die Arbeit, denn von Tag zu Tag sehnte sich mein Unterleib entweder nach Wärme oder Kälte. Gott, wie sehr ich die mitleidigen Blicke meiner Kolleginnen hasste.

Vom Tag der OP weiß ich nicht mehr viel. Es verlief alles wie im Film.

Eine Sache, die mir noch sehr lebhaft in Erinnerung geblieben ist, ist eine kurze Szene im Aufwachraum. Mir tat alles weh und ich hatte das Gefühl so dringend aufs Klo zu müssen, wie noch nie in meinem Leben. Als endlich eine Schwester kam, ließ ich mir zeigen, wo die Toilette war, und schlich unter ihren wachsamen Augen im Schneckentempo zum besagten Ort. Doch als ich mein Geschäft verrichtet hatte, traf es mich wie ein Blitz. Ich war nicht mehr in der Lage aus eigener Kraft aufzustehen. Es ging einfach nicht. Die Schmerzen und der Schwindel waren zu gewaltig. Irgendwann klopfte es an der Tür. Die Schwester fragte, ob alles in Ordnung sei. Mit gefühlt hochrotem Kopf verneinte ich und bat um ihre Hilfe. Ja, ich musste von der Krankenschwester von der Toilette gerettet werden. So weit war es für mich gekommen.

Bei einer Visite in den darauffolgenden Tagen erzählte mir der Chirurg, dass die OP weitaus komplizierter gewesen war, als ursprünglich angenommen. Die Zyste war fest mit meinem Darm und meinem Beckenboden verwachsen gewesen, deswegen hatte ich auch mehr Einschnittwunden als ursprünglich geplant. Er sagte mir, dass man wohl einen Teil meines Darms hätte mit entfernen müssen, wenn ich auch nur ein paar Wochen mit der OP gewartet hätte. Hätte ich ein paar Monate gewartet, wie meine Frauenärztin vorgeschlagen hatte, hätte ich wahrscheinlich meinen gesamten linken Eierstock verloren.

Drei Tage später wurde ich entlassen. Da mein Chirurg keine Krankschreibungen ausstellen konnte, fuhr mein Patenonkel, der mich vom Krankenhaus abgeholt hatte, auf dem Weg nach Hause bei meiner Frauenärztin vorbei. Aufgrund der Schwere der OP hatte der Chirurg mir explizit gesagt, ich solle zwei Wochen krankgeschrieben werden. Meine Frauenärztin war jedoch vorerst zögerlich mit dem Argument „Das ist doch nur ein Routineeingriff. Da wird man normalerweise höchstens eine Woche krankgeschrieben.“ Mir ging es fürchterlich und hätte fast nachgegeben, nur um endlich nach Hause in mein Bett gehen zu können.

Nach einigem hin und her gewährte sie mir jedoch die zweite Woche Krankschreibung und wir vereinbarten einen Termin in einer Woche zum Fäden ziehen. Zu diesem Termin hatte meine damalige Frauenärztin dann den OP-Bericht erhalten und bat mir an, mich noch eine dritte Woche krankzuschreiben: „Damit ist nicht zu spaßen!“. Ach so ja?

Doch was kommt nach der OP?

Die nächste Behandlungsempfehlung war, die Pille im Langzeitmodus. Mir wurde gesagt, dass dies die einzige Möglichkeit sei meine Fortpflanzungsorgane so lange zu präservieren, bis ich bereit war meinen Kinderwunsch umzusetzen. Dies solle ich dann so schnell wie möglich machen und danach sofort wieder die Pille nehmen, falls ich ein zweites Kind haben wolle. Aus diesem Grund willigte ich dieser weiteren Behandlung ein und ging mit einem Rezept aus dem Termin.

Dies war die erste von drei Pillen, die ich in der nächsten Zeit nehmen würde. Bei ihr war ich ununterbrochen angespannt und gefühlt im PMS-Modus, ohne das je die Entspannung der Periode kam. Die zweite Pille, die ich daraufhin ausprobieren durfte, hatte zur Folge, dass ich mehrmals im Monat Wochenweise blutete. Und das nicht zu wenig.

Als dies das erste Mal passierte, sagte meine Frauenärztin ein paar Tage krank, da ich von dem starken Blutverlust an immensem Schwindel litt. Ich sollte ein paar Tage die doppelte Menge der Hormone nehmen, bis die Blutung stoppe. Das zweite Mal sagte meine Frauenärztin mir, ich solle mich nicht so haben und mich mit einer Wärmflasche ins Bettlegen. Jetzt hatte ich den Punkt erreicht. Diese Dame würde nicht weiter meine Frauenärztin sein.

Ich ging in eine Endometriose-Sprechstunde im Klinikum, wo ich nach einer sehr ausführlichen Untersuchung eine wieder neue Pille verschrieben bekam. Diese nahm ich dann aber auch für ein gutes Jahr.

Hier wurde mir auch eine neue Frauenärztin empfohlen, zu welcher ich auch bis zu meinem Umzug nach Berlin sehr gerne ging. Doch auch wenn ich mich bei dieser generell sehr gut aufgehoben fühlte und sie auf meine trotz Pille immer wieder auftretenden Beschwerden sehr liebevoll einging, konnte sie mir keine Alternative zur Pille bieten.

Denn nach einer Weile mit dieser Pille, nach einigen Zyklen ohne Blutung, sehnte ich mich direkt nach dieser. Ich hatte das Gefühl die Verbindung zu meinem Körper verloren zu haben. Libido und Empfindsamkeit waren im Keller. Zudem war ich oft depressiv und antriebslos und sah mich selbst als eine riesige Enttäuschung. Doch so konnte es nicht weiter gehen.

So konnte es nicht weitergehen

Daher fällte ich im Mai letzten Jahres meine eigene Entscheidung. Ich würde die Pille absetzen und die Endometriose mit natürlichen Mitteln in Schach halten. Und auch wenn ich nicht vollkommen Beschwerdenfrei bin, und natürlich auch immer wieder Angst habe, dass sich die Endometriose wieder unbemerkt ausbreitet und ich nie Kinder haben werde, habe ich diese Entscheidung nicht bereut.

Ich habe meine Lebensweise und meine Ernährung umgestellt. Ich mache regelmäßig Yin und Moon Yoga, und meine Yogapraxis im Ganzen an meinen Zyklus angepasst. Zudem war ich beim Osteopathen und Naturheilkundler und gehe regelmäßig zur Akupunktur.

Ich habe gelernt mich wieder mit meinem Körper zu verbinden und diesen zu lieben, trotz dem Leid, das ich hier erfahren habe. Und alles durch die Entscheidung nicht mehr abhängig sein zu wollen und das durch meine Yogapraxis erlangte Selbstbewusstsein, darauf zu vertrauen.

Mein Weg ist noch lange nicht zu Ende, und Gott weis, ich bin nicht geheilt. Aber ich bin wieder Herrin meines Lebens und kann dieses die meiste Zeit genießen. Und das ist die Hauptsache für mich.

Wie sieht dein Weg der Heilung aus? Ich freue mich darauf davon zu hören in den Kommentaren.

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